Kriminalität auf Boa Vista: Ein Resümee nach meinem zweiwöchigen Urlaub

Boa Vista, die drittgrößte kapverdische Insel, verzeichnet gerade einmal 12.000 Einwohner. Dennoch soll es in der Vergangenheit zu einem Anstieg bewaffneter Überfälle auf Touristen gekommen sein, so heißt es. Wie verhält es sich heute mit der Kriminalität auf Boa Vista? Ich unternehme einen Selbstversuch und berichte über meine Erfahrungen auf Boa Vista.

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Auf dem Weg zur Praia de Santa Monica

Vor der Reise

Bald ist es soweit. Meine Reise nach Boa Vista naht. Es sind nur noch 3 Tage, dann geht es ab Amsterdam auf die kapverdische Insel. Ich bin aufgeregt und etwas verunsichert. Immer wieder bin ich bei meiner Recherche über Boa Vista auf das Thema Kriminalität gestoßen. Gebe ich bei Google die Tags Boa Vista und Kriminalität ein, so werden mir über 4.000 Ergebnisse angezeigt. Ganz schön viel für eine so kleine Insel, finde ich. Ich recherchiere weiter. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes heißt es, es sei in der Vergangenheit auf den Inseln Sal und Boa Vista zu Überfällen und Straßenraub durch einzelne Täter und Banden gekommen. Man solle daher auf seine Taschen und Geldbörsen aufpassen und auf das Tragen von Schmuck verzichten (https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/CaboVerdeSicherheit.html). Was das für mich bedeutet? Meinen Schmuck werde ich weitestgehend Zuhause lassen, auch meine Spiegelreflexkamera nehme ich nicht mit. Stattdessen packe ich nur eine kleine Umhängetasche, nicht weiter auffällig, und meine Uraltkamera in den Koffer. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

Boa Vista: Der erste Tag

Nach meinem 6,5-stündigen Flug komme ich endlich an. Ich bin erschöpft, freue mich aber, mein Ziel erreicht zu haben. Ich nehme mir ein Taxi und lasse mich in mein Hotel in Sal Rei fahren. Das ist die Hauptstadt Boa Vistas, in der 2010 laut des Instituto Nacional de Estatística Cabo Verde 5.778 Menschen lebten.

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Blick auf Sal Rei

Sal Rei wirkt verschlafen. Kinder spielen auf der Straße, ein paar Jungs sind am Strand am Trainieren. Überall liegen Hunde auf der Straße. Hier soll es kriminell sein? Das kann ich in diesem Moment kaum glauben.

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Fischerboote am Strand von Sal Rei

Mein Hotel ist klein und mitten in Sal Rei gelegen. Die Türen stehen offen. Hier kann jeder kommen und gehen. Der einzige, der hier ein wenig aufpasst, ist der Hund von Francois, unserem Hotelbesitzer. Ob das nötig ist? Das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die im Hof spielenden Kinder wirken auf mich im ersten Moment wenig angsteinflößend.

Ich wage es tatsächlich. Der erste Spaziergang in Sal Rei steht bevor. Es ist schon am Dämmern und ein wenig mulmig ist mir nach all den Warnungen bezüglich der Kriminalität auf Boa Vista nun doch zumute. Ich verlasse das Hotel und schlendere die Straßen Sal Reis entlang. Viele Leute sind noch draußen. Sie schauen mich interessiert an, manche grüßen mich freundlich. Ich trage meine Tasche und kleine Ohrringe. Ob das hier irgendwen interessiert? Ich denke nicht.

Durch die einsamen Seitenstraßen husche ich schnell. Ich weiß schließlich nicht, was oder wer hier auf mich wartet. Nach 1,5 Stunden ahne ich, dass hier nur die Hunde ihre Ruhe suchen und vor sich hindösen. Die meisten Menschen haben sich auf der Piazza versammelt, einem großen Platz im Zentrum Sal Reis. Hier spielen sie mit ihren Kindern, quatschen, hören Musik oder kehren in eines der zahlreichen Restaurants, die den Platz säumen, ein. Ich werde neugierig angeguckt, als ich mich direkt neben eine Gruppe Jugendlicher auf den Platz setze. Sie grüßen mich und lächeln mir entgegen. Unsicher fühle ich mich nicht.

Die erste Woche – ein Zwischenfazit

Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt. Ich kenne Francois und viele der ins Hotel einkehrenden Einheimischen. Sie sind freundlich und man grüßt sich auf der Straße. Das ist auf Boa Vista so üblich. Hier kann jeder kommen und gehen. „No Stress!“ ist das Motto Boa Vistas. Zu recht.

Auch mit vielen anderen Einheimischen habe ich mittlerweile gesprochen. Bedroht habe ich mich dabei zu keinem Zeitpunkt gefühlt. Ganz im Gegenteil. Die Menschen auf Boa Vista sind sehr aufgeschlossen und herzlich. Einmal mit ihnen ins Gespräch gekommen, merke ich sofort, wie warmherzig sie sind. Trifft man sich auf der Straße, hält man einen kleinen Plausch. Dafür nimmt sich hier jeder Zeit. Ob mir hier jemand etwas böses will? Das Gefühl habe ich nicht. Stattdessen habe ich den Eindruck, dass hier jeder auf jeden aufpasst. Das fühlt sich gut an.

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Boa Vista: Die Praia Carlota

Am Strand kann ich ohne Probleme kilometerweit laufen, selbst wenn niemand mehr zu sehen ist. Es warten keine Räuber hinter der nächste Ecke auf mich. Nur die Hunde, mit denen ich in den letzten Tagen Freundschaft geschlossen habe, folgen mir.

Dennoch interessiert mich, wie es nun um die Kriminalität auf Boa Vista bestellt ist. Ich frage Francois und Evandro. Evandro ist unser Guide, mit dem wir mehrere Ausflüge auf Boa Vista unternommen haben. Beide bestätigen mir, dass man insbesondere in Sal Rei nicht mit Überfällen rechnen muss. Es sei zwar in der Vergangenheit zu Überfällen gekommen, jedoch nur an sehr verlassenen Plätzen, wie zum Beispiel an der Costa de Boa Esperança. Sie liegt im Norden der Insel und ist vor allen Dingen wegen dem dort liegenden Schiffswrack Cabo de Santa Maria ein beliebtes Ausflugsziel.

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Das Schiffswrack Cabo de Santa Maria auf Boa Vista

Auch ich habe sie besucht, jedoch gemeinsam mit Evandro. Ich kann bestätigen, dass die Costa de Boa Esperança, an der das Cabo de Santa Maria zu besichtigen ist, sehr einsam ist. Ich rate daher dringend davon ab, den Strand auf eigene Faust zu erkunden. Er ist schwer zugänglich und menschenleer. Dass dies eine geeignete Stelle für Raubüberfälle ist, wundert mich nicht.

Zwei Wochen auf Boa Vista: Mein Fazit

Ich habe mich auf Boa Vista rundherum wohl gefühlt. Ich konnte mich frei bewegen, wurde nicht überfallen oder bedroht. Stattdessen bin ich auf viele freundliche Menschen getroffen, die hilfsbereit waren. Ob ich auf Boa Vista Angst hatte? Ja. Das lag aber ausschließlich an den angsteinflößenden Beiträgen zum Thema Kriminalität auf Boa Vista, die ich vor meiner Reise gelesen habe.

Dass im Internet auf die Kriminalität Boa Vistas aufmerksam gemacht wird, ist berechtigt. Aber wie drückt sich dies in Zahlen aus? Wie häufig ist es tatsächlich in der Vergangenheit zu Überfällen auf Boa Vista gekommen ist? Das weiß ich auch nach meinem zweiwöchigen Urlaub auf Boa Vista noch immer nicht. Im Internet werde keine Zahlen zur Kriminalität bzw. Überfällen auf Touristen bekanntgegeben. Dabei wären diese gerade sinnvoll, um beurteilen zu können, wie gefährlich Boa Vista tatsächlich ist. So wirkt es wie ein Versetzen in Angst und Schrecken und dies ohne fundierte Fakten. Etwas mehr Informationen hätte ich dann doch gerne!

Natürlich sollte berücksichtigt werden, dass man – genau wie in jedem anderen Reiseland auch – darauf achten sollte, sich nicht mutwillig in potentiell gefährliche Situationen zu begeben. Von Strandspaziergängen bei Dunkelheit fernab der „Zivilisation“ rate ich ab. Ebenso empfehle ich, bei bestimmten Besichtigungen an sehr verlassenen Stellen, einen ortskundigen Guide heranzuziehen oder einen Gruppenausflug zu buchen. Diese liefern nicht nur nützliche Hintergrundinformationen, sondern können auch das Gefahrenpotential besser einschätzen. Was das für mich bedeutet? Im Zweifel gehe ich keine Gefahr ein. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass Boa Vista gefährlich ist. Ganz im Gegenteil habe ich selten einen so entspannten Urlaub wie hier erlebt, ohne Gewalt und Kriminalität. Danke, Boa Vista!

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